Prominente Besucher des Standes waren neben den Bischöfen Dr. Georg Bätzing (Limburg) und Dr. Stephan Ackermann (Trier), der Präsident des Deutschen Caritasverbandes Dr. Neher. Aus den Reihen der Politiker informierten sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und die Parlamentarische Staatssekretärin im Arbeitsministerium Kerstin Griese über die Arbeit der kirchlichen arbeitsrechtlichen Gremien.
Mit der Podiumsveranstaltung „Suche Frieden – gestalte gute Arbeitsverhältnisse!“ unbefristet, gerecht bezahlt, sozialversicherungspflichtig setzte man einen eigenen Schwerpunkt im großen Katholikentags Programm.
Vor einer stattlichen Zahl von Interessierten diskutieren Andrea Grass, AK-Mitglied und DiAG-MAV-Vorsitzende aus Freiburg, Heinz-Josef Kessmann, Vizepräsident des DCV sowie Irene Gölz, ver.di-Landesfachbereichsleiterin Gesundheit, soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen aus Stuttgart über die prekären Arbeitsverhältnisse im Dienstleistungsbereich. Moderator Thomas Schwendele, Sprecher der Zentral-KODA-Mitarbeiterseite, stellte zu Beginn die Frage, wie es gelingen kann, dass sich die - meist weiblichen - Arbeitskräfte in diesem Bereich der gesellschaftlichen Wichtigkeit ihrer Arbeit besser bewusst werden.
Alle waren sich einig, dass sich diese dringend stärker politisch für ihre Rechte, insbesondere für eine gerechtere Bezahlung sowie sozialversicherungspflichtige und unbefristete Jobs engagieren müssen. Von positiven Beispielen erzählte Gölz im Zusammenhang mit der letzten Tarifrunde im öffentlichen Dienst und beim erfolgreichen Arbeitskampf für eine bessere Personalausstattung in den Universitätskliniken in Baden-Württemberg. Auch Caritas-Beschäftigte würden sich zunehmend für ihre Arbeits- und Lohnbedingungen engagieren, berichtete Grass. Viel zu gering sei leider das Engagement noch in der Altenhilfe, obwohl dort der deutlichste Nachholbedarf bestehe. Unterstützt wurde Kessmann von seinen Mit-Diskutanten und dem Publikum in seiner Forderung, dass der Gesetzgeber mit höheren Mindestlöhnen und weiteren Regulierungen noch stärker in diese Branche eingreifen muss, da vor allem tarifungebundene Arbeitgeber, besonders in der Pflegebranche, die letztlich immer noch geringe Organisationsmacht der Beschäftigten für ihren massiv Profit ausnutzen und viele Beschäftigte einem hohen Armutsrisiko ausgesetzt sind.
Allen war klar, dass durch eine angemessene Entlohnung der Pflegekräfte die Pflegekosten für die Pflegebedürftigen, ihre Angehörigen und auch für den Sozialhilfeträger steigen werden. Diese notwendigen Steigerungen müssen durch eine zügige Reform der Pflegeversicherung aufgefangen werden. Das Pflegerisiko, dem alle ausgesetzt sind, muss durch die Pflegeversicherung abgesichert werden genauso wie das Krankheitsrisiko durch die Krankenkassen abgesichert wird. Dies forderte mit eindringlichen Worten Thomas Rühl, Sprecher der Mitarbeiterseite der Arbeitsrechtlichen Kommission, zum Schluss der Diskussion, als sich auch das Publikum in die Debatte einbringen konnte